Als Amtsarzt mit besonderer Funktion betreut Dr. Aschwanden das Untersuchungsgefängnis Gossau SG (14 Plätze), bei Bedarf (Abwesenheit des zuständigen Amtsarztes) auch das Gefängnis Bazenheid (16 Plätze), selten die Gefängnisse in St. Gallen (Neugasse und Klosterhof).

Die Gefangenen werden medizinisch grundversorgt (hausärztlich und psychiatrisch). Akute Beschwerden werden sofort behandelt (Notfallbehandlungen), plan- und verschiebbare  Behandlungen (Zahnsanierungen, Hüftprothesen, Kataraktoperationen und Ähnliches) werden auf nach der Untersuchungshaft verschoben und müssen selbst finanziert werden. Das heisst es gibt keine "volle Körpersanierung auf Staatskosten" in Haft, auch wenn dies immer wieder gefordert wird. Nur bei Unklarheiten und wenn dringend werden spezialärztliche Konsultationen extern durchgeführt (wegen Fluchtgefahr, Arztbesuch extern ist immer ein Hochrisiko).

Im Gefängnis Gossau werden Benzodiazepine (Valium®, Temesta®, Dormicum®, Xanax® etc) nur in Form von Valium® (langwirksam) und nur in absteigender Dosierung für einen Enzug bis zum vollständigen Stopp durchgeführt. Dies ist ein sogenannter "warmer", d.h. langsamer Entzug, der immer durchgeführt wird, ausser wenn die Haft nur ganz wenige Tage dauert und glaubhaft eine Benzodiazepinabhängigkeit besteht. Es werden dann andere, sedierende, nicht abhängig machende Medikamente vorübergehend (für den Entzug) abgegeben (Truxal®, Trittico® oder Quetiapin®).

Als Schlafmedikamente erhalten alle Gefangenen auf Verlangen pflanzliche Medikamente (Dormiplant®), welche die Gefangenenbetreuer abgeben dürfen. Bei Cannabiskonsumenten dauert es eine gewisse Zeit, bis sich wieder ein Schlafrhythmus einstellt, und diese Zeit muss man dem Körper/Gehirn geben.

Die oft geforderte "Betäubung" für die Haftzeit gibt es nicht, sondern das Gegenteil. Es ist wichtig, sich mit der zur Last gelegten Tat oder der Verteidigung oder der Zukunft bei klarem Kopf auseinandersetzen zu können.  Es ist gegen jegliche moralische Haltung von Dr. Aschwanden, dass er im Gefängnis in Drogendealer-Manier betäubende Medikamente abgibt, nur damit Ruhe im Gefängnis herrscht. 

Stimulanzien wie Ritalin® (Methylpenidat) werden nicht abgegeben, da die Gefahr zu gross ist, dass mit diesen gehandelt wird, sie geschnupft oder gespritzt werden (sehr gefährlich). Es wird aber bei Medikationswunsch der Impulskontrollstörung/aggressiven Durchbrüche - wenn indiziert - alternativ ein SSRI (Selektiver Serotonin Wiederaufnahmehemmer) verordnet (2. Wahl bei ADHS, 1. Wahl bei emotional instabil impliziten Persönlichkeitszügen), das bezüglich aggressiven Durchbrüchen noch besser stabilisiert als Methylphenidat. Ein erhöhter Serotoninspiegel im Gehirn erhöht die Kontrolle über Wut, resp. vermindert diese oder lässt sie gar nicht aufkommen (je nach Dosierung). Einen körperlichen Entzug von Ritalin® gibt es eh nicht, ein psychischer Entzug ist zumutbar (deutlich geringerer Entzug als bei Kokain). Stimulanzien-Abgabe wie Ritalin® oder Ritalin®LA bei Süchtigen ist kontraindiziert, und wenn etwas gegeben wird, dann die weniger missbrauchbaren langwirksamen Stimulanzien (Concerta®, Methylphenidat Sandoz®), wenn bekannt ist, dass der Verlauf davor damit gut war. Süchtige fordern meist nur Ritalin® oder Ritalin®LA, weil sich diese einfach missbrauchen lassen.

Methadon oder Subutex® wird bei stabiler Einstellung belassen, ausser es besteht ein Wunsch nach Entzug. Es wird immer nachgefragt, wie viel Methadon oder Subutex® in Freiheit abgegeben wurde, geglaubt wird den Süchtigen nicht. Wenn jemand mit Methadon nicht stabil ist, d.h. mit diesem handelt, es injiziert, diversen Beikonsum mit Beschaffungskriminalität ausübt, gibt es einen langsamen ("warmen") Entzug und Einstellung auf stabilisierende, nicht abhängig machende Medikamente (SSRI oder Quetiapin®). Diese Medikamente können wegen starken Interaktionen von Methadon mit dem Herzen (verlängerte QT-Zeit) erst bei sehr tiefen Methadondosen gegeben werden. Für einen vollständigen Entzug ist eine Haft von mindestens 2 bis 3 Monaten notwendig. Wenn ein Häftling nur kurz in Haft ist, wenige Tage/Wochen, wird kein Entzug durchgeführt, er erhält aber eine Methadon Monotherapie - wofür es wegen der "breitabgedeckten Betäubung - aller Gefühle" auch vorgesehen ist (keine Benzodiazepine und Stimulanzien dazu, wegen der Interaktionsgefahr auch keine Antipsychotika und Antidepressiva). Subutex® (partieller Opioidagonist, deutlich weniger "breite Betäubung" als mit Methadon) ist  für stabile Patienten meist im Arbeitsprozess gedacht, bei anderen macht es wenig Sinn und dies wird geklärt.

Dass gewisse "Suchtexperten" ausschliesslich freiwillige Entzüge empfehlen, ist eine politische Haltung. Dieselben Leute fordern auch eine Liberalisierung aller Drogen, ebenfalls eine politische Haltung, die beide Dr. Aschwanden nicht teilt. Freiwillige und Zwangsentzüge sind bezüglich Resultaten (Verlauf nach Entzug) gleichwertig, was von diesen Suchtexperten leider ignoriert wird. Natürlich ist Freiwilligkeit immer zu wünschen, aber bei Ambivalenz oder fehlendem Willen und Einsicht muss man gewisse Leute in Richtung Gesundheit zwingen. Dies ist anstrengend für alle, aber damit lohnt sich ein Gefängnisaufenthalt. Ein Gefängnisaufenthalt in Betäubung ist sinnlos, Zeit- und Geldverschwendung.

Im Gefängnis ist die medizinische Sicherheit der Insassen wichtig und es wird kein "medikamentöses Risiko" eingegangen. Auch die Suizidgefahr ist bei "Betäubung" viel höher als bei einem langsamen ("warmen") Entzug.

Das Gefängnis Gossau ist drogenfrei, weil es klein und alles sehr gut kontrolliert ist und es praktisch keine Möglichkeit  zum "Dealen" gibt. Es ist deswegen sehr geeignet für Entzüge. Viele Häftlinge, die es durchmachten, sind danach sehr froh und dankbar, eine neue Chance erhalten zu haben.

In Gossau findet die wöchentliche Visite jeden Donnerstag über den Mittag statt. Bei Notfällen/verschlimmernden Krankheiten wird sofort gehandelt.

 

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