Falls ein Arbeitgeber mit der Krankschreibung (Arbeitsunfähigkeitszeugnis) eines Angestellten nicht einverstanden ist, das heisst Verdacht auf eine falsche ärztliche Beurteilung oder gar ein "Gefälligkeitszeugnis" besteht, hat er das Recht, die Arbeitsfähigkeit durch einen Vertrauensarzt prüfen zu lassen.

Es gibt Erkrankungen, die eine volle oder Teilkrankschreibung rechtfertigen, begründbar. Dann gibt es aber auch Verhaltensweisen und Reaktionen (Kränkungen mit Arbeitsverweigerung, querulatorisches Verhalten, ungerechtfertigte Anspruchshaltung, rein dissozialer/krimineller Geldgewinn (Betrug)), die nichts mit einer Erkrankung zu tun haben, normalpsychologisch erklärbar und Arbeitsunfähigkeitszeugnisse entsprechend falsch sind.

Arbeit ist grundsätzlich gesund, gut für die Psyche und wer arbeiten kann, soll arbeiten. Sogar für psychisch schwer Kranke ist es wichtig zu arbeiten, halt einfach im geschützten Rahmen. Nicht selten machen Krankschreibungen und später IV-Berentungen (bei eigentlich Gesunden) wirklich krank, weil man sich zurückzieht, und in der Öffentlichkeit alles daran setzt, der Welt zu beweisen, dass man krank ist, d. h. jegliche "Therapieversuche" zum Scheitern verurteilt sind.

Es ist in der heutigen Zeit eine Unsitte geworden, dass oft gleichzeitig, kurz vor oder kurz nach einer Entlassung eine volle Arbeitsunfähigkeit über längere Zeit ärztlich (zuerst durch den Hausarzt, dann durch den Psychiater) attestiert wird. Oft handelt es sich hierbei um medizinisch nicht korrekte "Gefälligkeitszeugnisse" mit der Diagnose "Depression". Es ist aber sehr unwahrscheinlich, dass sich eine Depression auf "Knopfdruck" (Entlassung) plötzlich voll manifestiert. 

Wichtig sind deswegen entsprechende Beobachtungen des Arbeitgebers, dass sich der "Krankgeschriebene" kurz vor der Krankschreibung noch normal, d. h. arbeitsfähig verhalten hat oder Beobachtungen, dass zwischenmenschliche Probleme vorliegen. Dies muss dem Vertrauensarzt mitgeteilt werden, um dann den "Krankgeschriebenen" damit konfrontieren zu können.

Meist liegt ein Vorwurf vor, dass der Arbeitnehmer an der Arbeitsstelle "gemobbt" wird, wobei dann die Schilderung des Arbeitgebers (falls der krankschreibende Arzt nachfragen würde) oft ganz anders ist. Somit liegt ein Vorteil der Vertrauensarztes darin, dass er sowohl die Version des Arbeitgebers als auch des Arbeitnehmers kennt.

Wichtig ist bei zwischenmenschlichen Problemen, dass dem Arbeitnehmer ein zumutbarer Arbeitsplatz zugewiesen werden kann. Dies ist in der Regel bei grösseren Firmen kein Problem, wobei dem Arbeitnehmer auch "niedrigere" Arbeit zugemutet werden kann. Und wenn dies bei kleineren Firmen nicht möglich ist, erfolgt eine Freistellung, keine Krankschreibung. 

Arbeitsunfähigkeitszeugnisse während einer Freistellung sind in der Regel zu hinterfragen und durch einen Vertrauensarzt abzuklären. 

Die Ärzte, die gerne, schnell und "grosszügig" krankschreiben ("Gefälligkeitszeugnisse"), sind in der Regel bekannt. Es ist zu empfehlen, dass man solche Arbeitsunfähigkeitszeugnisse durch den Vertrauensarzt klären lässt und sich nicht scheut, gegen die "schwarzen Schafe" juristisch vorzugehen, wobei hierfür spezialisierte Anwälte helfen können. (Bemerkung: es gibt leider sehr unglückliche Gerichtsentscheide, die zu stark den "ärztlichen Status" des Krankschreibenden und zu wenig, resp. kaum die Gegenargumente berücksichtigten).

Bei den Ärzten muss man unterscheiden zwischen

  1. Ärzte, die korrekt Arbeitsunfähigkeitszeugnisse attestieren, aber ab und zu auf raffiniert betrügende Patienten hereinfallen und das Zeugnis sofort korrigieren, wenn sie den Betrug, die arbeitsvermeidende Haltung, wittern.
  2. Ärzte, die naiv, ohne zu überprüfen alles glauben, was ihnen erzählt wird, sich nicht vorstellen können (narzisstisch selbstüberschätzend, Helfersyndrom), dass sie jemand so dreist anzulügen kann und zusammen mit dem Patienten einen "heroischen", kostenintensiven (auf Kosten Krankenkasse) Kampf gegen den "bösen Arbeitgeber" führen.
  3. Ärzte, deren Praxen nicht gut laufen und die als Gegenzug zu Konsultationen oder anderen Gegenleistungen bewusst falsche Arbeitsunfähigkeitszeugnisse ("Gefälligkeitszeugnisse") ausstellen, wohlwissend, dass dies Betrug ist und sich kaum jemand zu wehren wagt, resp. dazu "die Nerven und Ausdauer" hat. 

Rechtlich gesehen verlängert sich z. B. eine dreimonatige Kündigungsfrist bei langen Arbeitsunfähigkeitszeugnissen oder Arbeitsunfähigkeitszeugnissen jeweils kurz vor Ablauf der Kündigungsfrist um maximal 3 Monate, wobei der Arbeitnehmer diese 3 Monate beim alten Arbeitgeber nachholen muss.

Diese Untersuchung geht auf Kosten des Arbeitgebers, nicht auf Kosten der Krankenkassen. Verrechnet wird  pro 5 Minuten, CHF 252 pro Stunde.  Zeugniserstellung alleine kostet ca. 400 bis 600 CHF, Aktennotizen werden wie im OR verlangt immer erstellt.  Die Kosten steigen, wenn gutachterliche Berichte notwendig sind, die vor Gericht stand halten. Bei schwierigen Fällen ist ein ein Kurzgutachten (ca. CHF 2000.-) zu empfehlen. Der Bericht wird für sich allein fachärztlich korrekt, nachvollziehbar und widerspruchslos sein und sollte so bei einer allfälligen Anfechtung vor Gericht Bestand haben (.d.h. nicht wegen formaler Fehler ablehnbar sein). Bitte zuerst mit Taggeldversicherung klären, damit Abklärungen nicht doppelt laufen. 

Bei einer vertrauensärztlichen Untersuchung zählen die Argumente, d. h. die allfällig vorliegende oder eben nicht vorliegende Diagnosen und eine damit verbundene Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitsfähigkeit wird begründet. Dies kann man also auch bei einer nachfolgenden Gerichtsverhandlung nützen. Somit muss auch der krankschreibende Arzt argumentieren und kann seine Zeugnisse nicht mehr alleine mit seinem Arztstatus begründen. 

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